letztlich kommt dann doch alles irgendwie zusammen oder wie kam ich in den cyberspace?
"manchmal sind wir unserer arbeit voraus und machmal sind wir unserer arbeit hinter her" - Intuition und Reflektion sind die beiden Pole zwischen denen sich die künstlerische arbeit bewegt. Unterschiedliche Interessen resultieren in unterschiedlichen Arbeitsweisen, Methoden und Ergebnissen, diese zusammen genommen bilden wiederum verschiedene Stränge der Arbeit. Zwei dieser Stränge sind bei mir, zum einen das Experimentieren mit technischen Verfahren zur Bildgenerierung, zum anderen das Experimentieren mit Computern und vor allem Netzwerken. Für relativ lange Zeit standen sich die verschiedenen Arbeitsstränge eher distanziert und scheinbar unvereinbar gegenüber. Die Verbindung - außer der des persönlichen Interesses - war nicht klar. Nun zum Diplom hin ensteht bei mir der Eindruck, daß sich die Suchbwegungen der vergangenen Jahre verdichten und eine Richtung vorgeben, in die sich meine Arbeit weiter bewegen kann und wohl auch wird.
Das Interess für Netzwerke begleitet mich seit etwa 1997, als ich mir mein erstes Modem zulegte und mit einer Geschwindigkeit durch das www zu surfen begann, die eigentlich nicht als surfen sondern eher als dahin dümpeln zu bezeichnen war.
Die Faszination für das Netz entwickelte sich schnell und sorgte für saftige Telefonrechungen da es die Flatrate noch nicht gab. Zu dieser Zeit habe ich mal versucht eine Internetseite zu erstellen und erinnere mich noch einigermaßen gut wie wenig mir über den Zusammenhang zwischen dem Code den ich in die Htmldatei schrieb und dem im Browser dargestellten Bild bewusst war. Es erschien mir alles ziemlich mysteriös und unverständlich, aber wahrscheinlich auch gerade deswegen interessant.
Durch die Ausbildung zum Informatiker lichtetet sich der Nebel zumindest teilweise und das Netz verlor Stück für Stück seinen Blackbox-Charakter, trotzdem aber nichts von seiner Anziehungskraft auf mich. Experimente mit Linux und dem Konfigurieren von Firewalls und verschiedener Client-Server-Systemen folgten. Irgendwann ergab sich ein Gesamtbild vom Netz und ich entwickelte ein Verständnis für die Technologie die für den Transport von E-Mails, Webseiten und/oder Audio- und Videodateien zuständig ist.
Obwohl "manche behaupten, außer Drogen gäbe es nichts was süchtiger macht, als den root-Zugriff auf ein Unix-System zu erobern" ( "das antihacker buch" s. 389 ) ist es mir nie gelungen, mir unerlaubten Zugang zu in einen fremden Rechner zu verschaffen, möglicherweise war das aber auch nie das Ziel. Bedeutet hacken ja nicht zwangsläufig auch in fremde Rechnersysteme ein zu dringen, wie so oft fälschlich behauptet wird. Vielmehr beschreibt es eine Haltung und das Interesse am experimentellen, forschenden Umgang mit Systemen aller Art - die meistens aber nicht immer technischer Natur sind.
Peter Glaser schreibt über Hacker in seinem Blog "Was die Hacker zu mehr als einem Haufen renitenter Technik Freaks macht, ist ihre Utopie eines Menschenrechts auf Information. Es ist ein Versuch, ausser pfiffiger Technik auch einen moralischen Anspruch hervorzubringen. Verborgene Informationen repräsentieren für Hacker die dunkle Seite der Macht. Sie glauben daran, dass Macht transparent sein muß und dass eine informierte Welt eine bessere Welt sein kann." (Hacker 3.0, Peter Glaser,
http://www.heise.de/tr/blog/artikel/83649/from/atom10∞ Besucht am 19.1.2007 )
Während dem Studium entwickelten sich aus diesem Interesse heraus Projekte wie schallwelle.org ( 2005 ) - einem Internetradiosender der nur freie Musik spielt oder www.openkhm.de ( 2006 ), einer experimentellen Blogplattform zur Präsentation studentischer Arbeiten der Kunsthochschule für Medien und zuguter letzt die Initiative des Stupa 'KHM goes Internet'. Bei allen Projekten stand die Idee im Mittelpunkt den einfach Zugang zu Informationen, Musik oder eben studentischen Projekten, zu bieten und mit Netzsoftware zu experimentieren. So kam es im Rahmen des Schallwelle-Projekts zu den ersten Experimente mit der Opensource-Software '
DarwinStreamingServer' von Apple. Die gleiche Software kam auch später beim 'I buy everthing event' für den Videostream zum Einsatz.
Für Openkhm ging es darum sich mit dem, was in den letzten Jahren als Web 2.0-Technologie zusammengefasst wurde vetraut zu machen. Christop Haag und ich verbrachten dabei erhebliche Zeit damit ein entsprechend geeignetes System zu finden und zu testen mit dem ein Blog wie Openkhm.de realisiert werden konnte. Ohne die vorherige lange und intensive Beschäftigung mit Computern und Netzwerken wäre es aber mit sicherheit noch zeitaufwendiger und vor allem nervenaufreibender geworden. Bei diesen Projekte, so wie eben auch bei der Beschäftigung mit der Virtual Reality-Netztechnologie Secondlife erwies es sich als unschätzbarer Vorteil eine einigermaßen Präzise Vorstellung der Funktweise des Netzes zu haben.
Und so stellt sich nun heraus, daß die vielen teilweise langwierigen und höchst abstrakten Experimente im immateriellen Raum der Netze ihren Sinn erfüllen. Diese Experimente bilden die technologische Basis meiner Arbeit, das Wissen und das Verständnis über die Funktionsweisen des Netzes bewahrt mich vor manchen Fallen wenn es darum geht über das Innen und Außen von netzbasierter Virtual Reality nach zu denken.
Der andere Wichtige Strang der rückwirkend betrachtet schon recht klar auf die Virtual Reality Technologie verwies, waren die Experimente mit technologischen Bildgenerierenden Verfahren wie Digitaltechnik und Holografie.
Das erste holografische Experiment ' der Spiegel an der Wand' (2004) war direktes Resultat aus Experimenten mit der Programmiersprache Java, sowie deren Erweiterung Java-3D. dem Versuch ein 3d-Modell eines das publikum beschimpfenden kopfes mit hilfe von java-3d zu animieren und auf die bewegungen der betrachter reagieren zu lassen.
There are no comments on this page. [Add comment]